Montag, 9. Juli 2012

Ein Abend und ein Braulio.

Aus den Lautsprechern ertönt leise Musik, gute Musik, aus der Ferne hört man das Quartier, Trams, Autos, Menschen, Lachen, Schreien, Leben. Die Zigarette in meinem Aschenbecher qualmt, ich qualme mit. Das Wochenende ist vorbei, eine neue Woche beginnt, wieder ein Wochenende voller verirrten Gesprächen, Alkohol, Zigaretten und Kater, Vergessen und Verzeihen. 

So sitz ich hier in meinem neuen Zimmer, das ich vor zirka 2 Wochen neu bezogen habe. 5 Meter weiter, 100% mehr Komfort. Der Blick aus dem Fenster beruhigt meine nervösen Gedanken, die Tanne des dort wohnhaften Elsternpärchens wirft müde Schatten auf das frisch gemähte Gras, die Birke glitzert und der dritte Baum, dessen Name ich leider nicht kenne (ich nenne sie einfach mal Eiche, von denen haben wir ja hunderte in der Stadt, oder?) versperrt mir die Aussicht auf das Haus vis à vis. Gut so. 

Der hässliche, von Sperma- und Wein- und sonstigen Flecken übersäte Spannteppich, der seit 15 Jahren in der Wohnung hauste, wurde eigenhändig und mit viel Schweiss entfernt, das Parkett strahlt in der Abendsonne, der eisgekühlte Braulio schwitzt neben mir auf dem Tisch und auch sonst ist es eigentlich ein ganz guter Montagabend. 

Der Frühling ist vorbei, der Sommer ist da, die Hagelstürme der letzten Woche gehören auch hoffentlich der Vergangenheit an. Meine geliebten Balkonpflanzen haben sich immer noch nicht erholt. Doch ich will sie nicht gehen lassen, noch nicht. Mit viel Liebe und Zuspruch gedeihen sie bestimmt. Wie ja alles. Bestimmt. 

Meinen Sommer verbringe ich hier, im schönen Zürich. Kein Geld für Städtereisen, kein Geld für Familienbesuch in Finnland, keine Nerven für billigen Strandurlaub, ich bleibe lieber hier. In meinen vier Wänden. Schifflifahren und Spazieren, Kaffee auf grünen Wiesen, Eistee und Balkonabende mit Wein. So soll es sein. Wobei mich die Ferne doch packt, doch ja, vielleicht dann im Winter. Wir werden sehen. 

Doch nebst all dem Schönen, was unsere Zwinglistadt zu bieten hat, frisst sie mich auf. Mit all ihren Macken und Verführungen, mit all ihren wilden, durchzechten Nächten schluckt sie den letzten Funken Energie, spuckt ihn aus, roh, ungewaschen. Die ruhigen Sommerabende verwandeln sich nach 2 Drinks im Nu zu wilden Trinkgelagen mit bittersüssen Konsequenzen und alkoholdurchtränkten Küssen, der Tag wird vergessen, verscheucht, wir leben für die Nacht. Wir sind ja noch jung. Oder fühlen uns zumindest so im warmen Schein der Strassenlaterne. Der Braulio hilft. 

Liebes Zürich. Geliebte Stadt. Gehasste Stadt. Deine Lichter brennen hell, die Nacht lässt den Tag verschwinden, die zuckenden Lichter der Clubs überfordern die Sinne, Tanz, Trunk, Taumel und Tatendrang. Bis die Sonne wieder aufgeht und wir mit Sonnenbrille und müdem Lächeln im Gesicht nach Hause schleichen. Und so überleben wir, von Nacht zu Nacht, zählen die Tage, ohne zu wissen bis wann, möchten Veränderungen, aber tun doch nix dafür. We want change, aber das soll doch jemand anderes machen, danke. 

Der Braulio hilft.


In diesem Sinne widme ich mich nun auch zu 100% meinem Kräutergetränk und dieser wunderbaren Musik, wünsche eine schöne Woche und ein noch schöneres Wochenende. Bis bald. 


Dienstag, 28. Februar 2012

Es grünt so grün – Ist der Frühling da?

So sitz' ich hier, in den Händen meine Standardausrüstung Kaffee und Zigaretten, die noch etwas schüchterne Sonne lächelt mir milde ins Gesicht und wärmt meine kalte Nasenspitze. Meine Bronchitis zeigt sich heute von ihrer allerbesten Seite, kitzelt meinen Hals und lässt meinen Atem rasseln. Doch Rauchen muss sein. Sorry, geliebte Bronchien, ich mach's wieder gut. Ab 30 wird's gesünder, versprochen! 

Der Frühling ist da. Hoffe ich zumindest. Langsam schleicht er sich an, behände und Schritt für Schritt tastet er sich voran. Da wird es natürlich auch wieder Zeit, meinen geliebten Blog zu füttern. Was für ein Jahr. Was für ein Winter. Was für eine Zeit. Die Zeit rennt, ja ja, kännemer. 

Und im Eiltempo rennen wir ihr nach – Termine, Parties, Besprechungen, Fehden. Neue Bekanntschaften, neue Herzmenschen, alte Muster, alte Ängste. Doch auch Ziele, die ich mir im neuen Jahr gesetzt habe. Nur für mich, allein. Ich rede hier nicht von Vorsätzen, die sind für'n Arsch. Mehr geht es mir um meine Grundeinstellung, die Denkweise zu bestimmten Sachen. Ja, auch ich werde älter, weiser. Lerne immer dazu, vergesse nie. So genannte "Freunde" oder wie die sich auch immer nennen mögen gingen, neue "Freunde" kamen, wie es halt so ist. Lustigerweise hat man kurz vor einer geplanten Veranstaltung plötzlich ganz viele neue oder "vergessene" Freunde, doch ja, gehört halt dazu, gälled. 

Was mich aber echt nervt und ich jetzt hier mal loswerden möchte ist folgendes:

Liebe/r XY, 

Wenn du mich nach einem Platz auf der Gästeliste bittest, ich dann noch so nett bin und dir diesen gebe, dann erwarte ich, dass du in meinem Club ein Bierchen trinkst oder zumindest deinen Arsch rasch durch den Eingang zwängst, statt sofort nach Erhalt des Stempels umzukehren, um in den Partnerclub nebenan zu wackeln, wo du mit eben diesem Stempel gratis reinkommst. Das ist eine Frage des Respekts und Anstands. 

Danke.

Aber eben. Tönt schlimmer als es wirklich ist, das Ganze. Doch auch ich habe meine Prinzipien und meine Würde. Und vergesse nie. 

Item.

Nun zu was anderem, was mir schon auf der Zunge brennt und ich einfach schnellstmöglich loswerden möchte:

Diesen Freitag, am 2. März, findet bereits zum dritten Mal die "RUHESTÖRUNG" statt. Der Name ist Programm – wer die basslastigen Röschti- und UG-Zeiten von anno damals vermisst und sich dem harten Drum n Bass, Dubstep und Jungle verschrieben hat, der (und natürlich die) muss diesen Freitag ins Exil pilgern. Mein guter Freund der Stadtstreicher hat für eben diese wunderbare Sache noch einen viel wunderbareren (gibt's das Wort eigentlich?) Text geschrieben, den ich euch, werte Lieblingsleser, natürlich nicht vorenthalten möchte:



"Jeder hat seinen Ausweg. Yoga, Sex, Joggen, Drogen, Glücksspiel, Saufen. Manche springen aus Flugzeugen, andere stürzen sich auf einem Brett die Berge hinunter, wieder andere arbeiten bis zum Umfallen. Doch alle schöpfen aus demselben Topf. Aus dem Topf des Rausches. Der Rausch gehört zum Menschen, ist ein Grundbedürfnis wie Essen oder Sicherheit. 

Ich rede hier von Bewusstseinsveränderung. Nicht im ungewaschenen Hippie-Räucherstäbchen-Sinne, sondern im ganz pragmatischen. Man verändert die Wahrnehmung, justiert sie ein bisschen, als würde man am Rädchen des Radios rumfummeln, um die richtige Frequenz zu finden. Dieses Bedürfnis ist ein Trieb, ähnlich wie der Sextrieb oder Hunger. Wieso sonst würde man sich Wochenende für Wochenende in enge, laute, überfüllte, teure Orte quetschen und spastisch vor sich hin zucken? 

Es ist der Trieb. Derselbe, der die Derwische zum kreiseln bringt. Derselbe, der die Schamanen visionieren lässt. Doch ist der Trieb schwer hervorzulocken, er ist eine verwöhnte, leicht gelangweilte Schlampe, launisch und träge. Man muss ihn aus der Lethargie herausprügeln, seine Ruhe stören. Nette Melodien und tiefeschürfende Texte quittiert er mit einem mitleidigen Lächeln. Er braucht Schläge, braucht Bass, will herausgefordert werden. Er braucht den Kollaps des Körpers, um den Geist einzunehmen. Er braucht würdige Gegner, eine ganze Armee von Verrückten, die gegen ihn in die Schlacht ziehen, bis an die Zähne bewaffnet, blutgeil, geil darauf mit Schlägen und Bässen Schädel zu spalten, unaufhörlich, bis zur kompletten Kapitulation. 

Er braucht Spite, Task Horizon, Inca, Randy, Cussion und Funky Monkey, die ihm am 2. März 2012 im Exil die Scheisse aus dem Leib prügeln." 

***


Schön, nicht wahr? 

In diesem Sinne ist nun auch dieser Beitrag abgeschlossen. Ich werde mich nun von meinem Balkon trennen, meinen wärmenden Leopardenschal anziehen (ja, es weht eine doch noch etwas kühle Bise) und mich in Richtung Kaffee auf den Balkon des Stadtstreichers machen. Kommet und tanzet, diesen Freitag im Exil! Und tanzt mit uns auf den Frühling! Prost.

Dienstag, 29. November 2011

Hello again.


So. Da bin ich wieder. Lange hat's ja gedauert.

Ich hoffe doch schwer, ihr habt mich ganz fest vermisst, wart jeden Tag auf meinem Blog und lechzten nach neuen lyrischen Ergüssen, die so gar nicht kamen. Viel zu lange habe ich euch auf dem Trockenen gehalten, drei Monate ist es schon her, dass ich mit euch mein Leben und (ja, ich weiss) vor allem Leiden geteilt hatte. Also, eigentlich sind es ja viel mehr - sogar fünf Monate. Ein Bild einer Erdbeere zeugt ja nicht gerade von lyrischem Durchfall, wobei diese Erdbeere dennoch eine ganz Besondere ist. Und wenn diese Person, der ich diese Erdbeere gewidmet habe, dies liest, dann sage ich nur so viel: Ich hätte liebend gerne eine Fortsetzung… Du weisch. :)

Ja, es ist wieder Zeit. Zeit, zu schreiben. Zeit, einen heissen Sommer und einen ziemlich verwirrten Herbst Revue passieren zu lassen. Zeit zu sinnieren. Zeit für Kaffee in der kalten, frostigen Wintersonne auf dem Lieblingsbalkon. Zeit zu entrümpeln. Zeit für Klartext. Zeit für Wein. Schweren, dunkelroten Saft.

Herr Frost klopft an. Katzen drehen durch (oder einfach meine, böh) und mit ihnen auch irgendwie alle Menschen. Jeder will was für den Winter, seien es eine Affäre, ein schneller Fick oder gar die grosse Liebe. Hauptsache jemand, der einem die kalten Füsse wärmt.

Die Tage wurden kürzer, die Nächte länger, kälter. Die Vorweihnachtszeit übergiesst uns mit Erdnüssli, Manderinli, Schoggi, Liechtli. Im Schnellspurt und in Hochgeschwindigkeit rasen wir gegen Ende Jahr, im Gepäck ein weiteres Jahr voller Leben, Lieben, Leiden. Normal.

Nur noch wenige Tage und die Stadt verwandelt sich in ein weihnächtliches Lichtermeer. Ich mag Lichter. Vor allem Weihnachtslichter. Die hängen bei mir das ganze Jahr im Zimmer. Nein, nicht aus Faulheit, ich bitte euch. Weil es gefällt. Romantisch und so. Kerzli habe ich auch viele. Duftende. Ja ja. Den Sinn für Romantik habe ich wieder entdeckt, aber bitte keinen Kitsch. Nun, fragt sich der eine oder andere: Kein Kitsch? Wie erklärst du denn bitte dein mit Weihnachtsbeleuchtung überflutetes Zimmer, liebe Rita? Nun, antworte ich: Kitsch liegt im Auge des Betrachters. Doch ich könnte der lieben Lucy schon Konkurrenz machen. Oh ja.

Item. Die Strumpfhosen sind montiert, und meine beige, supercoole Gangsta-Daunenjacke habe ich letzte Woche zum ersten Mal ausgeführt. Und ich denke, sie genoss es, die frische, eisige Luft einzuatmen, Menschen zu treffen. Nach monatelanger Abstinenz in meinem mottigen Kleiderschrank ist es ihr auch nicht vorzuwerfen. Meine geliebte Jeansjacke muss jetzt halt mal zuhause bleiben. Das arme Ding. Hat sie sich aber auch verdient.

Jedenfalls begab ich mich eben dieser beigen Daunenjacke, nennen wir sie mal Emma, weil ich beim Namen Emma an eine dicke, weiche, ja zukerwattige gute Fee denke, die mich mit ihren daunigen Armen wärmt, in Richtung Zee-City-Gäng. Doch dazu ein Andermal. Und nicht erst in fünf Monaten. Nenei. Das verspeche ich euch. Herz. 

random pics i found and loved on the internet and i don't remember (and don't care), where exactly i found them, so there are no sources at all.



























































Dienstag, 21. Juni 2011

Die Uhr tickt?


In weniger als zwei Monaten werde ich greise, uralte 27 Jahre alt. Also alt. Dann bin ich keine Mitt-Zwanzigerin mehr, sonder End-Zwanzigerin. Nah bei 30. Sehr nah. Nah bei Familie, Kinderkriegen, Commitment, Haus und Hund, Kuscheldecken und fancy Ikea-Poster. Nah am Ende meiner Jugend also. Eigentlich ja ein schönes Alter, die 30. Die drei mag ich eh lieber als die zwei. Gibt mehr her. Und hat schöne Rundungen. Die hab ich auch. Wurde mir zumindest mal gesagt. Naja. Panik habe ich trotzdem ein bisschen. Jedoch resultiert diese Panik lediglich aus den ungeduldigen Kommentaren einzelner Familienmitgliedern und auch aus den panischen Aktionen mancher männlicher Wegbestreiter, die uns weibliche Mitmenschen immer noch nicht so recht verstehen wollen oder wahrscheinlich nicht so recht verstehen können. 

Männer, die auf die grosse drei zuwandern. Die Peter Pans unserer Generation. Die kleinen Buben, die plötzlich mit grossen Erwartungen konfrontiert werden. Wobei sie sich diese grossen Erwartungen meist selbst zurechtschustern und uns Frauen dabei vegessen. Und mit dieser unausgesprochenen Konfrontation folgt die mit Abstand grösste Panikmacherei unserer jungen Generation. Auch wenn wir näher an der 30 als an der 20 sind, heisst das nicht, dass wir euch heiraten möchten. Nein, wir möchten noch keine Kinder, wir möchten kein Einfamilienhaus mit Garten. Noch nicht. Noch haben wir alle Zeit der Welt.

So schnell wie die Zeit vergeht, so schnell werden wir älter. So schnell werden wir von Familienmitgliedern (meistens von Müttern) mit dem herzallerliebsten Ausdruck "Enkelkinder" konfrontiert. Was Mami, du wünscht dir Enkelkinder zu Weihnachten? Oha, jetzt aber. Da brauchts noch was anderes dazu, liebe Mütter. Nebst der ungeheuren Lustlosigkeit, jetzt schon Kinder in die Welt zu stellen, bevor man nicht wirklich selber erwachsen ist, kommt da ein anderer Aspekt zum Vorschein. Und zwar der männliche Teil dieser ganzen Angelegenheit. Doch gelobt ist die Moderne, gelobt seien die zig Verhütungsmittel, Amen.

Ich weiss, liebe Mutter, auch wenn du in meinem Alter bereits verheiratest warst, heisst das noch lange nicht, dass ich das auch sein möchte. Nein, Vater, auch wenn ich im Moment Single bin, heisst das noch lange nicht, dass ich mein ganzes Leben alleine bestreiten werde. Selbst ist die Frau. Gopfetelli, nun gibt mir doch Zeit! Das Babymachen kann noch warten. Ich bin doch noch selbst ein Baby.

Zurück zu den Peter Pans. Ach. Liebe Männer. Liebe Buben. Wie auch immer ihr euch nennt, chill out. Wenn wir euch toll finden, heisst das noch lange nicht, dass wir euch heiraten möchten. Wenn wir euch zum Kaffee treffen möchten, heisst das noch lange nicht, dass wir einen Braten im Ofen haben wollen. Alter hin oder her, wir sind im fucking 21. Jahrhundert. Nur wenn einige jungen Frauen in unserem Alter bereits von Verlobung, Heirat oder (in meinen Augen) sonstigem mittelalterlichen Müll reden – hört doch mit dieser Pauschalisierung auf. Die Uhr tickt? My ass! Auch einige Frauen mit bald 30 sind noch nicht bereit für Hochzeit, sind noch nicht bereit, mit euch alt zu werden und monogam bis zum letzten Atemzug zu bleiben. Wir halten nicht alle Ausschau nach Prince Charming, der uns auf dem weissen Hengst vor uns selbst rettet und uns ihren kostbaren Samen spendet. Also, liebe Männer, wenn wir euch das nächste Mal fragen, den Sonntagabend mit Pizza, Bier und Gras zusammen zu verbringen, dann habt keine Angst. Wir wollen doch auch nur ficken. Geheiratet wird viel, viel später. Wenn überhaupt.

Montag, 13. Juni 2011

…

“You may not be her first, her last, or her only. She loved before she may love again. But if she loves you now, what else matters? She’s not perfect – you aren’t either, and the two of you may never be perfect together but if she can make you laugh, cause you to think twice, and admit to being human and making mistakes, hold onto her and give her the most you can. She may not be thinking about you every second of the day, but she will give you a part of her that she knows you can break – her heart. So don’t hurt her, don’t change her, don’t analyze and don’t expect more than she can give. Smile when she makes you happy, let her know when she makes you mad, and miss her when she’s not there.” - Bob Marley